In Memoriam: Roland Baader

Zahlreiche Liberale, Anarchokapitalisten, Minimalstaatler und Libertäre, kurz Freiheitsfreunde, pilgern in den kleinen Ort Kirrlach-Waghäusl, um dort einem der wichtigsten deutschsprachigen Freiheitsautoren der letzten Jahrzehnte zu gedenken: Roland Baader.

Roland Baader wäre am 14. Februar dieses Jahres 76 Jahre alt geworden. Mit ihm, der am 8. Januar 2012 verstarb, verlor die freiheitliche Szene einen ihrer herausragenden Leuchttürme. Doch sein Licht scheint in zahlreichen Büchern, Publikationen, Artikeln und Interviews (von denen inzwischen viele auch online verfügbar sind) weiter. Dem Hayek-Schüler Baader ist es maßgeblich zu verdanken, dass die Ideen, Theorien und Erkenntnisse der Österreichischen Schule, zu einer Zeit als sie von der universitären Lehre komplett ignoriert wurden, in ihrer sprachlichen Heimat nicht völlig in Vergessenheit gerieten und er hat ihre Renaissance, die ungefähr mit der Jahrtausendwende einsetzte, maßgeblich mit angeschoben.

Er erreichte, fesselte und überzeugte zahllose Leser nicht nur, weil er in einer einfachen, verständlichen und dennoch deutlichen Sprache die Ursachen der Verfallsphänomene und der Krisen unserer Gesellschaft schilderte, beschrieb und erklärte. Gerade dass er eben kein Universitätsgelehrter war, der aus dem Elfenbeinturm den Menschen die Realität erklärt, sondern vor einem unternehmerischen Hintergrund schrieb, dass er also ein im besten Hayekschen Sinne ein Privatgelehrter war, völlig unabhängig nur der Wahrheitssuche verpflichtet, dürfte für die Kraft, die Klarheit und den Erfolg seines Werkes ausschlaggebend gewesen sein. Er beschränkte sich dabei nie alleine auf ökonomische Fragen, auch wenn er sich den Themen zumeist aus einer ökonomischen Perspektive näherte.

Der Grund hierfür ist einfach. „Wer den Markt verhöhnt, der verachtet auch den Menschen“, schrieb er und traf damit den entscheidenden Punkt. Alle Fragen der Freiheit sind letztlich eben auch Fragen des Marktes und umkehrt. „Markt oder Befehl, eine dritte Möglichkeit gibt es nicht.“ Dies gilt für alle Bereiche des Lebens – sei für die Bildung, die Wirtschaft, die Kultur oder auch die Partnerwahl und natürlich gilt dies ganz besonders für das Geldsystem.

In dem heute herrschenden Falschgeldsystem erkannte Baader ohne wenn und aber das eigentliche Problem. Ursprünglich ging Geld aus dem Marktprozess hervor. Es ist damit ein hervorragendes Beispiel für Hayeks Idee der spontanen Ordnung. Es wurde weder von den Herrschenden vorgegeben noch von den Menschen bewusst ausgesucht – es bildete sich aus dem Marktprozess heraus. Ludwig von Mises hat diese Vorgänge in seinem genialen Regressionstheorem exzellent beschrieben.

Das heutige Geld ist anders. Es entstand nicht aus dem Marktprozess heraus. Es basiert nicht auf Freiwilligkeit. Es ist ein Zwangsgeldsystem, in dem der Staat den Menschen vorschreibt, welches Geld sie zu verwenden haben und das von den Zentralbanken aus dünner Luft geschaffen wird. Baader spricht sehr treffend von „Geldsozialismus“. Denn dieses System geht zu Lasten der breiten Mehrheit und nützt nur einer kleinen Gruppe, den „Gottspielern“. Sie glauben ernsthaft, dass Planung dem Marktprozess überlegen sei. Sie bedienen sich des Systems und ziehen enorme Profite daraus.

Im Augenblick steht jener Geldsozialismus vor seiner totalen Ausprägung. Die Gottspieler, bestehend aus Politik und den ihr nahestehenden Bankkonzernen wollen die letzte verbliebene Wahlmöglichkeit der Menschen abschaffen: Die Wahl zwischen Bargeld und elektronischem Geld. Sollte dies gelingen, wird sich der Zwangsgeldapparat perfektioniert haben.

Dem Zwangsgeld folgt dann die Zwangsgesellschaft. Alle Bereiche des Lebens der Bürger werden staatlich überwachbar und nachvollziehbar sein. Jede noch so kleine Nische an Privatheit wird für die staatlichen Schnüffelorgane ausleuchtbar. Die wirtschaftliche Existenz eines jeden Bürgers kann jederzeit per Knopfdruck von Staatsorganen oder von mit ihnen assoziierten Instituten ausgelöscht werden.

„Selber üble Missstände erzeugen und dann anderen die Schuld daran zuweisen“, so beschrieb Baader das Wesen der Politik. Gerade bei der laufenden Einschränkung des Bargeldverkehrs, die schließlich in seiner kompletten Abschaffung enden wird, offenbart sich dieses Wesen mustergültig.

Die Politik erklärt uns, die Einschränkung (=Abschaffung) sei nötig, um Terrorismus, Kriminalität und Steuerhinterziehung zu bekämpfen. Dabei ist tatsächlich – neben dem Wunsch, die Bürger vollständig zu kontrollieren – die Manipulation der Zinsen ins Negative ursächlich hierfür. Diese Manipulation ist essentieller Teil des Geldsozialismus der Gottspieler und Baader beschrieb sie treffend als „einen zerstörerischen Krieg gegen die eigenen Bevölkerung.“

Besonders am Herzen lag Baader neben der Aufklärung über die wahre Natur des herrschenden Geldwesens die Jugend. Denn sie ist es, die zum einen besonderes leicht durch die vermeintliche Humanität des Sozialismus verführt werden kann und zum anderen ist sie es, die besonders darunter leiden wird. Sie muss am Ende die Kosten tragen.

Es ist die „belogene Generation“, die das, was im Kreditrausch vorgefressen wurde, nachhungern wird müssen. Erste Vorgeschmäcker hierauf liefern die enormen Jugendarbeitslosenquoten in den Krisenstaaten der Eurozone.

Nicht nur in dieser Hinsicht war Baader realistischer Visionär. Als der realexistierende Kommunismus zusammengebrochen war und alle Welt vom Ende der Geschichte schwafelte, zeigte er sich in seinem Buch „Kreide für den Wolf“ überzeugt, dass der Sozialismus keinesfalls besiegt sei, sondern nur in einem anderen Gewand stärker denn je zurückkehren werde.

Wie Recht er damit hatte, zeigen der Auswüchse des Brüsseler Sozialismus – getarnt als europäische Integration und Harmonisierungsbestrebungen. Baader hatte in vielem Recht und er sah vieles unendlich klarer als die breite Mehrheit der Gesellschaft. Wie sehr muss es ihn eben diese Klarheit geschmerzt haben?

Carl Menger, einer der Begründer der Österreichischen Schule der Nationalökonomie versank angesichts der Katastrophen, die er herausziehen sah, in tiefe Depressionen. Anders Baader – er wahrte sich einen grundlegenden Optimismus, auch wenn er im Fortschritt seiner Lebenszeit skeptischer wurde. Dennoch glaubte er daran, dass es sich lohnt für die guten, für die besseren Ideen zu streiten und sich für sie einzusetzen.

Bei aller visionären und aufklärerischen Kraft Baaders und unserer Bewunderung hierfür – es dürfte den großen Freiheitsdenker bei der Vorstellung gegruselt haben, als Säulenheiliger der Liberalen bzw. der Libertären zu enden. Man muss nicht alle Positionen von ihm teilen. Seine feste Überzeugung beispielsweise, dass Religion und eine verwurzelte Transzendenz für den Bestand einer Gesellschaft essentiell ist, kann sehr wohl kritisch gesehen werden. Selbst wenn es ihm eben jene Verwurzelung im christlichen Glauben zweifelsohne leichter machte, die Irrtümer der Gesellschaft zu ertragen.

Wie alles andere auch ist die Suche und das Finden von Erkenntnis und Wahrheit ein Prozess. Für diesen Prozess bedarf es Widerspruch, Diskussion und den Austausch von Argumenten. Insofern waren das freie Wort und der Austausch desselben für Baader nicht nur einfach wichtig. Sie waren für ihn essentieller Teil des Daseins. Insbesondere weil er diesen Austausch viel lieber bei einer guten Flasche Wein und gutem Essen vornahm als in trockener Studierstube. Tun wir es ihm also gleich. Stoßen wir an seinem Geburtstag ihm zu Ehren an, diskutieren wir und treten wir leidenschaftlich und unbedingt für den Erhalt der Freiheit ein.

Autoren: Dagmar Metzger & Steffen Schäfer