Das EU-Panikorchester über Bargeldgrenzen: wenn’s nicht traurig wär‘, wär’s lustig

Der deutsche Finanzminister Schäuble ist heute, um es neudeutsch zu formulieren, ziemlich „busy“. Er weilt derzeit in Brüssel, wo er die EU-Finanzminister getroffen hat – Thema mal wieder Griechenland, über das wir schon bald wieder schöne Neuigkeiten hören dürften, weil das Geld wieder ein bißchen knapper geworden ist. Und auch Portugal im Fokus, nachdem die Risikoprämien für die Staatsanleihen des Landes gestern auf über 4,5% gestiegen waren – heute beruhigt sich das wieder etwas mit Renditen um die 4%-Marke für die 10-jährige Anleihe Portugals.

Und dann die Deutsche Bank: die Bank sei „stark“, so Schäuble bei seiner Pressekonferenz nach dem Eurogruppen-Treffen in Brüssel. Besser mal verbal intervenieren, bevor das Feuer zu stark lodert, bei der Deutschen Bank. Und weil Schäuble gerade so in Fahrt war, hat er auch Erhellendes zum Bargeld kundgetan. Tenor: alles nur ein ganz großes Mißverständniss, eine „völlig missverständliche Diskussion“ in Deutschland.

Klar. Die Deutschen sind einfach zu doof das zu kapieren. Es geht doch um die Terrorbekämpfung. Und da sind wir doch alle dafür, oder? Also nicht für den Terror, sondern für die Bekämpfung desselben. Logisch. Weil: der Terrorist liebt nun mal den großen Geldschein, und mit dem groß-scheinigen Bargeld steht er in einem engen Vertrauensverhältnis. So zahlt der Terrorist seine Bomben stets bar, und kauft er dem Erdogan dann einen Panzer ab, zahlt er auch bar – oder liefert Öl.

Also nehmen wir dem Terrorist doch den Geldschein weg – gut für die Sicherheit. Dann haben zwar die wenigen Nicht-Terroristen auch keine großen Scheine mehr, aber wer kein Terrorist ist, braucht auch keine großen Beträge mit Bargeld zahlen, oder? Eben. Und deswegen sagt der Wolfgang:

„Es geht überhaupt nicht darum, irgendwie zu reglementieren, wie viel Bargeld jemand haben darf. Da gibt es überhaupt keine Grenzen.“

Es gehe nur um die Beschränkung einzelner Transaktionen. Na dann! Dann machen wir uns mal keine Sorgen, weil es geht ja nur um einzelne Transaktionen. Betonung auf: einzelne.

In Frankreich hat man nach den Pariser Anschlägen die Obergrenze von 3000€ auf 1000€ abgesenkt. Weil dann natürlich so ein Anschlag wie in Paris nicht mehr möglich ist, klarerweise. Der Wolfgang aber sagt, das sei doch ein bißchen arg niedrig, diese 1000€ bei den Franzosen – aber eine einheitliche Regelung in Europa sei natürlich schon klasse, weil derzeit bestehe ein „Flickenteppich“:

„Für eine einheitliche Regelung in Europa spricht eine Menge“.

Und jetzt kommt, oh Wunder, die EZB ins Spiel. Das wiederum läuft über Jeroen Dijsselbloem, den Traum-Schwiegersohn aller kinderlosen Frauen. So sagte heute Dijsselbloem:

„Es gibt natürlich Risiken, dass große Noten und große Bargeldbeträge leicht zur Terrorismusfinanzierung genutzt werden können. Es gibt dort ein Risiko, und wir werden die EZB bitten, sich diese Risiken erneut anzusehen“.

Bums – jetzt wird die EZB also auch noch die oberste Instanz der Terrorbekämpfung. Was für eine Karriere, Herr Draghi, da wird die NSA aber vor Neid erblassen. Draghi, die Wunderwaffe Europas. Da hat sich der Terrorist aber böse verrechnet – den Mario hatte der nämlich nicht auf dem Zettel. Und deswegen muß der 500er-Euro-Schein weg, den zieht die EZB dann einfach ein.

Und jetzt kommt die Krönung – in Gestalt des österreichischen Finanzministers Schelling:

„Es ist halt auch viel Unwissenheit da. Diese Begrenzung mit dem Bargeld bezieht sich ja nicht auf’s Bargeld, sondern nur darauf, ab welchem Betrag muss man überweisen“.

Ganz große Poesie! Ja, da ist wirklich viel viel Unwissenheit. Weil die Begrenzung mit dem Bargeld bezieht sich ja nicht auf´s Bargeld – haben Sie das jetzt endlich verstanden?? Himmeldonnerwetter!

Autor: Markus Fugmann

Dieser Beitrag ist zuerst erschienen am 12. Februar 2016 auf finanzmarktwelt.de